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FOLGE 2 – Der Einbau

Meine Antwortsuche auf die Frage nach Wert und Gegenwert verdampft allerdings im Nichts,
sobald die „Geld-Zurück-Garantie“ meine Ratio und meinen Bauch gekapert haben.

Mit Probezeit für Unentschlossene…

Ja, Michael hatte es mir in die Hand versprochen: Falls mich das System nicht überzeugt, kann ich es innerhalb der ersten sechs Monate wieder ausbauen lassen und bekomme mein Geld zurück. Ehrenwort.

Okay, dann werde ich das Zeugs mal testen. Weil ich Michael ohne Ausnahme als ehrlich erlebt habe, schlage ich ein.

Wir vereinbaren den Einbautermin – noch vorm Jahreswechsel. Direkt danach werde ich tausend Kilometer abspulen. Eine Woche Dänemark und retour.

Sollte mich das System auf dem Trip nicht überzeugen, wird im neuen Jahr mein erster Werkstatt-Termin bei Michael sein: Wieder raus damit! Und Geld zurück…

Der Einbau.

Oder: Warum @derdauertester kalte Füße bekommt

Es ist halb elf am Mittwochvormittag, vor Weihnachten, als wir uns in einer stillgelegten Waschhalle am Rand eines kleinen Heide-Dörfchens bei Winsen/Luhe treffen.

Die Halle ist groß genug für ein ausgewachsenes Wohnmobil. Und eisig genug für den Einbau unter erschwerten Bedingungen …

Michael hat sein Handwerk als Kfz-Mechaniker gelernt. Temperaturen schocken ihn nicht. Er braucht nur Regen- und Windschutz.  Beides bietet die alte Waschhalle.

Für diesen sehr speziellen  Einbau hat sich Michael extra beim Hersteller schulen lassen.

Zwei große Werkzeugkoffer schleppt er nun an und die lassen mich Schlimmstes befürchten: Droht hier eine größere Operation, die mir am Ende vielleicht sogar ein lahmgelegtes Wohnmobil beschert?

Mit Übernachtung in der Waschhalle?

Schlagartig habe ich kalte Füße. Nicht nur von der eisigen Luft in der Waschhalle… Hoffentlich springt der Ducato nach der Montage wieder zickenfrei an. Sonst droht die Übernachtung in der Waschhalle.

Denn es geht hier nicht um den simplen Austausch eines Endschalldämpfers, oder Sport-Luftfilters. Sowas kann jeder Azubi in seiner ersten Lernwoche erledigen.

Hier geht es um ein mystisches Equipment, dass angeblich wahre Wunder hinsichtlich Fahreigenschaften und Seelenmassage für den Fahrer vollbringen soll.

Vor dem Einbau machen wir eine 15minütige „Vorher-Definitions-Fahrt“ über unterschiedliche Fahrbahnoberflächen: Flickenteppiche, Bahnübergänge, Landstraße erster Ordnung und ein Feldweg schlechter Ordnung wechseln sich ab.

Im Ducato Wohnmobil herrscht ein elendes Klang-Orchester. Polterndes Fahrwerk, schepperndes Geschirr in den Schränken und das metallische Dieselnageln vermischen sich zu einem strapaziös lauten Klangteppich, der Unterhaltungen mühsam macht.

„Nach dem Einbau wird alles ganz anders sein“, ruft mir Michael vom Beifahrersitz aus zu. „Leiser und  harmonischer“.

Wir werden hören…

Es geht los…

Motorhaube auf, Plastikverkleidung über dem Ventildeckel rausgefriemelt und schon verschwindet Michaels Kopf samt Baseballkappe in den Tiefen des Maschinenraums.

Ein Tubus mit geheimnisvollem Inhalt soll im Motorraum seinen Platz finden.

Als Pazifist erinnert mich dessen Form eher an ein Geschoß mit hoher Durchschlagskraft, als an einen akustischen Friedensspender.

Einem Marderschreck-System gleicht jener Aufkleber, der wohl zu neugierige Werkstattschrauber abschrecken soll: „Messgerät. Bitte nicht entfernen!“ „Finger weg“ hätte es auch getroffen.

Irgendwo im Heck des Wohnmobils muss dann noch das geheimnisvolle Pendent verschwinden.

Obendrein schleppt Michael  jede Menge unscheinbare, schwarze Kleinteile an, die an Einspritzleitungen, Diesel-Hauptleitung und  Starter-Batterie ihre Magie entfalten sollen..

Aus jedem dieser beiden Tubusse hängt noch ein einadriges Kabel. Dieses Kabel des Front-Tubus fixiert Michael an einer Schraube vom Motorblock. Das Kabel des Heck-Tubus schließt er ans Plus-Kabel der Kofferraumleuchte an.

Nach knapp vier Stunden fummeln, schrauben, fixieren, 19 Kabelbindern und 2 Metern Klett-Klebeband weniger in seiner Werkzeugkiste hat Michael alle Teile fest eingebaut.“

Ein Multimeter zeigt, ob die gewünschte Spannung anliegt. Ja, der Zeiger schlägt energisch aus. Also alles richtig gemacht.

Strom fließt jetzt also ständig. Ich hab´s befürchtet: Das System lutscht ab heute heimlich, still und leise meine Starterbatterie leer. Und der nächste Kaltstart endet am Smartphone in der Warteschleife des ADAC-Notdienstes.

„Keine Sorge, das spielt sich nur im Milli-Ampere-Bereich ab“, beruhigt mich Michael. „Weniger, als die Selbstentladung der Batterie“. Wie war die Formel? Minus plus Minus macht immer noch Minus…

Das ist der Moment, in dem ich innerlich mein Glaubensbekenntnis ablege: „Alles wird gut“.

>>Lies nächste Woche, warum @derdauertester vom System irritiert ist